Physiotherapeutische Übungen (modifiziert nach Rocabado)
Die hier aufgezeigten physiotherapeutischen Übungen unterstützen die Therapie zur Behandlung einer kombinierten Dysfunktion des craniozervikalen und des craniomandibulären Systems.
Mit Hilfe dieses Übungsprogramms sollen Sie zu Hause:
1. eine neue Körperhaltung einüben
2. die in die Weichgewebe einprogrammierte alte Haltung ausmerzen
3. die Muskeln wieder in ihre ursprüngliche Länge bringen
4. die Gelenke wieder normal beweglich machen
5. das normale Körpergleichgewicht wiedererlangen
6. ein Maßnahmepaket an der Hand haben, mit dem Sie jederzeit wieder beginnen können, wenn Symptome einer Dysfunktion erneut auftreten
Jede Übung sollten Sie sechsmal wiederholen und das gesamte Übungsprogramm sechs mal täglich anwenden. Sie sollten Ihre Bemühungen nie übertreiben. Die evt. bestehenden Schmerzen sollten sich im Verlauf der Übungen nicht verschlimmern.
I. Ruhelage der Zunge
Legen Sie die Zunge gegen den Gaumen, so dass Sie ein schnalzendes Geräusch erzeugen können. Dadurch nimmt die Zunge eine ähnliche Position ein wie beim Schlucken. Achten Sie darauf, dass Sie durch die Nase atmen und dabei die Zwerchfellmuskeln aktivieren.
II. Bewusste Steuerung der Kieferrotation
Legen Sie die Zunge wie in Übung I am Gaumen an und öffnen und schließen Sie den Mund. Machen Sie diese Übung zuerst vor einem Spiegel und achten Sie darauf, dass Sie den Mund ganz gerade öffnen und schließen. Legen Sie dazu die Fingerspitzen leicht auf das Kiefergelenk oder in den äußeren Gehörgang und achten Sie darauf, dass das Gelenk ohne Störung rotiert.
Es kommt nicht darauf an, den Mund möglichst weit zu öffnen. Wichtig ist, dass die Zunge am richtigen Punkt liegt und das Gelenk störungsfrei funktioniert.
III. Rhythmisches Stabilisieren
Legen Sie die Zunge wieder wie in Übung I am Gaumen an. Öffnen Sie den Mund leicht, so dass sich Ihr Unterkiefer in der Ruhelage befindet. Halten Sie mit bei den Händen die Kinnspitze fest und fahren Sie Öffnungs-, Schließ-, Vorwärts- und Seitwärtsbewegungen aus, ohne dass sich der Unterkiefer bewegt. Die Kräfte dürfen nicht zu groß sein, da sich sonst der Unterkiefer unweigerlich verschiebt.
IV. Lockerung der Halswirbelgelenke
Neigen Sie den Kopf nach vorne und drehen Sie aus dieser Position den Kopf nach links. Daraus drehen Sie den Kopf über die Ausgangsstellung nach rechts, anschließend wieder zur Gegenseite.
V. Axiale Extension der Halswirbelsäule.
Stellen Sie sich mit dem Rücken zur Wand, wobei Sie mit den Fersen, dem Kreuzbein, den Schulterblättern und dem Hinterkopf die Wand berühren. Drücken Sie Ihren Kopf mehrere Sekunden gegen die Wand und lassen wieder los.
VI. Retraktion des Schultergürtels
Lassen Sie die Schultern nach unten fallen und bewegen Sie dann die Schultern nach hinten, so dass sie sich einander nähern. Hierdurch stabilisieren Sie den gesamten Komplex von Kopf, Hals und Schulter.
Vermeiden Sie unbedingt extreme Mundöffnung!!!